Donnerstag, 3. November 2011

Die Hoehlen von Loltún

In den fotokopierten Informationsblaettern, die ich vom Hostel in Mérida bekommen hatte, las ich etwas von den Hoehlen von Loltún. Klang interessant. Das Hinkommen war allerdings etwas schwierig. Zuerst musste ich zu einem Ort mit dem schoenen Namen Oxkutzcab (was wie Osch-kuts-kaap gesprochen wird und irgendwie thailaendisch klingt). Da ich das entsprechenden Bus-Terminal in Mérida nicht fand, entschied ich mich fuer die Fahrt mit einem collectivo. Das hat den Vorteil, dass es etwas billiger ist - hat allerdings den Nachteil, dass es erst dann faehrt, wenn es voll ist. Der Fahrer sagte, er faehrt mit 12 Personen los. Mit mir waren es im Moment vier. Nach knapp anderthalb Stunden ging es los (ich war schon langsam etwas ungeduldig geworden) und nach weiteren anderthalb Stunden stieg ich in Oxkutzcab wieder aus.
In den fotokopierten Informationsblaettern des Hostels war zu lesen, dass die Hoehlen von Loltún ganz in der Naehe des Ortes sind. Ich wollte laufen und fragte immer wieder nach dem Weg - und war verwundert, jedes mal auf Taxis hingewiesen zu werden. Na gut, dann nahm ich also ein Taxi. Und das war gut so, denn waere ich den Weg bei der Mittagshitze von etwa 40 Grad Celsius gelaufen, haette man mich durch die Hoehlen tragen muessen. Nach 20 min kam ich bei den Hoehlen an, die irgendwo mitten im Nirgendwo lagen. Ich war der einzige Tourist weit und breit. Zwei Hoehlen-Fuehrer luemmelten auf einer kleinen Mauer im Schatten. In einer halben Stunde geht die Fuehrung los, sagte der eine, der ziemlich gutes Englisch sprach. Waehrend des Wartens fand ich heraus, dass der Eintritt in die Hoehlen das Doppelte von dem betraegt, was die fotokopierten Informationsblaetter des Hostels angaben. Und der Fuehrer kostet extra. Was solls - wenn ich einmal hier bin!
Puenktlich ging es los und wir stiegen in die Unterwelt. Diese Hoehlen sind wirklich gross! Die erste Hoehle des System hatte den Namen "Die Kathedrale". Das war zwar ziemlich uebertrieben, aber eine mittelgrosse Kirche haette locker reingepasst. Von den Decken hingen Stalaktiten in fantastischen Formen. An den Waenden gab es diese Formationen, die wie Wasserfaelle aussehen. Wir liefen etwa eine halbe Stunde durch eine faszinierende Hoehlenlandschaft, die an einigen Stellen fuer meinen Geschmack etwas zu dramatisch bleuchtet war. Die Tour endete in einem grossen Durchbruch nach oben, in dem Baeume standen und von dessen Raendern sich Lianen nach unten ringelten. Die Fuehrung hat zwar nur ein Drittel so lang gedauert, wie es in den fotokopierten Informationsblaettern des Hostels stand, aber ich fand es trotzdem toll.
Die naechste Frage war: Wie komme ich zurueck? Ich fragte den Fuehrer und der sagte, ich muesse trampen. Da stand ich also in der Hitze des Tages irgendwo im Nirgendwo und winkte den entgegenkommenden Fahrzeugen erst zu und dann hinterher. Schliesslich erbarmte sich ein Pick-up-fahrender Bauer meiner. Das Fahrerhaus war voll, aber auf der Ladeflaeche war noch Platz ... ein wenig, denn dort waren schon viele Apfelsinenkisten gestapelt und vier mexikanische Bauern sassen wie die Huehner dahinter auf dem Rand der Ladeflaeche. Und dazwischen gab es noch einen winzigen Platz. Und dieser Platz war fuer mich. Mit einer halben Pobacke sass ich auf dem Rand des Pick-ups und mit den Haenden hielt ich mich krampfhaft an den Apfelsinenkisten fest. Waehre der Fahrer etwas zu sportlich durch ein Schlagloch gefahren, waere ich wahrscheinlich im Schlagloch gelandet. Aber wir kamen gut in Oxkutzcab an.
Ich suchte die Abfahrtsstelle fuer die collectivos nach Mérida und fand sie samt fahrbereitem Sammeltaxi. Ich stieg ein. Wir fuhren los. Und hier koennte die Geschichte zu Ende sein.
Ist sie aber nicht. Auf halber Stecke zwischen Oxkutzcab und Mérida kam Montezumas Rache ueber mich. Es war so dringend, dass ich den Fahrer sehr nachdruecklich darum bat, anzuhalten. Er tat mir sofort den Gefallen und ich verschwand drei Meter im dichten Dschungel. Wie gut, dass ich die fotokopierten Informationsblaetter des Hostels bei mir hatte, die ich sogleich einem sinnvollen Zweck zufuehrte.
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Morgen Vormittag fahre ich von Mérida nach Tulum und bin dann hoffentlich an einem schoenen Strand samt Ruinen. Eine Tour nach Chitchen Itza mache ich dann (vielleicht) von dort. Aber eigentlich will ich jetzt mal ein paar Tage abhaengen.

Noch was: Der Grund, warum es in meinem Blog fast keine Fotos gibt, liegt darin, dass ich hier teilweise an Rechnern sitze, die aus der Zeit vor der Erfindung des USB stammen. Sorry, da muesst Ihr wohl warten, bis ich wieder zu Hause bin.

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