Der alten Frau geht es gut. Sie laechelt und ist gar nicht traurig. Sie ist gerade beim Putzen. Sie putzt die Knochen und den Schaedel ihres verstorbenen Gatten.
Ich bin in Pomuch, etwa 50 km von Campeche entfernt. Das Maya-Dorf wirkt ziemlich schmutzig und oede. Statt Taxis benutzen die Bewohner Fahrrad-Rikshahs zur Fortbewegung. Pomuch ist fuer zwei Dinge bekannt: fuehr sein leckeres Backwerk und fuer seine seltsamen Bestattungsrituale.
Zuerst begraben sie ihre Frischverstorbenen, graben sie aber nach einem Jahr wieder aus, reinigen die Knochen und legen sie dann in Saerge, die sie in kleine Mausoleen auf den Graebern stellen. Die Saerge sind nicht geschlossen. Die Deckel sind angekippt, so dass der bleiche Schaedel des Verstorbenen (zum Teil noch mit Haaren auf dem Haupt) nach draussen blicken kann.
Jedes Jahr zu den Tagen der Toten (die zufaellig heute und morgen sind) kommen die Bewohner von Pomuch auf den Friedhof, schmuecken die Graeber mit Blumen und, die Gelegenheit ist guenstig, reinigen die Knochen ihrer Verstorbenen.
Dieses Ritual steht zum Glueck nicht im Lonely Planet. Ich habe durch Zufall von einem Typen in meinem Hotel davon erfahren. Es fahren auch keine Reisegruppen nach Pomuch. Ich musste ein collectivo genanntes Sammeltaxi nehmen. Die Fahrt dauerte eine Stunde. Als ich aus dem Sammeltaxi ausstieg, hoerte es gerade auf zu regnen. Der Friedhof war leicht zu finden ... nicht nur fuer mich. Die Freunde von Reuters waren schon da. Gut fuer mich, da ich nun nicht mehr nach der Erlaubnis zum Fotografieren fragen musste und mich einfach den anderen Journalisten anschloss. Die Bewohner waren uns gegenueber erstaunlich aufgeschlossen und liessen sich bereitwillig fotografieren und filmen.
Nach einer Stunde hatte ich genug gesehen. Kaum kam ich aus dem Friedhof heraus, kam auch schon ein collectivo nach Campeche. Kaum hatte ich mich auf den letzten freien Platz gesetzt, fing es wieder in Stroemen zu regnen an.
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Zurueck in Campeche habe ich mich auf dem Weg zum Hotel total verlaufen, kam aber dadurch am Busterminal vorbei, dass ich ansonsten nie gefunden haette, und kaufte mir dort ein Ticket fuer morgen nach Merida.
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Ich habe an Helloween auch mal wieder meine Knochen ins Wasser gehalten... Schöne Blogs lieber Bruder! Ich wünsche dir noch eine Tolle Reise. Ich folge deinen Spuren.
AntwortenLöschenBis bald,
Joachim