Montag, 7. November 2011

Unter Wasser

1. Akumal
Der Stand sieht genau so aus, wie Straende aussehen sollten: Palmen, weisser Sand, gruen-blaues Meer. Diesmal geht es aber darum zu sehen, was sich unter der Wasseroberflaeche so tummelt. Aus diesem Grund trage ich einen Neophren-Shorty, Schwimmflossen sowie Taucherbrille samt Schnorchel. Ich bin nicht ganz allein im Wasser. Mit mir hat eine junge Franzoesin namens Gaelle diesen Trip gebucht und wir haben einen Guide, der keinen Shorty, dafuer aber einen dicken Bauch vor sich hertraegt ... und dann sind da noch die ganzen anderen Touristen mit Schnorchelausruestung.
Der erste Blick unter Wasser ist erst mal wenig spektakulaer: ein paar Fischlein und gelbliches Seegras auf weissem Sand. Aber dann kommt etwas Grosses in meinen Blick. Zwischen den Pflanzen grast gemuetlich eine grosse Meeresschildkroete, die sich von uns Schnorchlern gar nicht stoeren laesst. Sie ist wirklich recht gross und unterscheidet sich von denen, die ich im Pazifik gesehen habe. Das Schild zeigt eine Musterung, waehrend ihre pazifischen Verwandten einen mehr oder weniger glatten Schild hatten. Die Schildkroete taucht kurz zum Luftholen auf, dann wieder unter und wir schwimmen weiter.
Es gibt echt viele Schildkroeten vor Akumal. Wir sehen verschieden grosse. An den ganz grossen haben sich gruenliche Fische an den Panzer gehaengt, vermutlich sowas wie Putzerfische oder so. Dann schwimmen wir zu einem Riff nah am Strand. Es ist mein erstes Riff, aber ich habe das Gefuehl hier ein Riff zu sehen, dass totgetaucht wurde. Es gibt relativ wenige Fische, einmal lugt eine Muraene aus ihrer Hoehle, aber viel mehr ist nicht zu sehen. Ich bin trotzdem beeindruckt und aergere mich bei dieser Gelegenheit wiederholt, dass ich meinen Tauchschein zu Hause vergessen habe.

2. Cenote "Dos Ojos"
Die Halbinsel Yucatan muss man sich wie einen riesigen Schweizer Kaese aus Kalkstein vorstellen. Die Loecher, die die Oberflaeche erreichen, nennt man Cenote. Manche von ihnen sehen aus wie kreisrunde Weiler mitten im Wald. Zu einer anderen, viel spektakulaereren Art von Cenote, fuehrt der zweite Teil der Tour.
"Dos Ojos" bedeutet "Zwei Augen". Der Cenote hat diesen Namen, weil er aus zwei Teilen besteht, die unterirdisch verbunden sind. Wir gehen zuerst mehrere Treppen nach unten und stehen dann in einer mit Suesswasser gefuellten Tropfsteinhoehle. Hier geht es ins Wasser. Was dann folgt, kommt mir immer noch wie ein Traum vor.
Wir lassen uns ins Wasser gleiten. Zuvor hat der Guide wasserdichte Taschenlampen ausgeteilt. Die werden wir brauchen. In der Naehe des Eingangs des Cenote ist es noch hell im Wasser. Kleine Fischchen schwimmen mir direkt vor die Augen, aber Fische sind hier voellig uninteressant. Unter Wasser tut sich ein riesiges Hoehlenlabyrinth vor unseren Augen auf. Es ist tief, so tief, dass meine Taschenlampe teilweise ins Leere leuchtet. Wir schwimmen durch einen sehr schmalen Durchgang, wo ich mir (nicht zum letzten Mal) den Kopf an einem Stalaktiten stosse. Wenn man nur ins Wasser guckt, sieht man nicht, was darueber ist. Das sollte mir eine Lehre sein.
Die naechsten Hoehlen sind dunkel. Unsere Taschenlampen streifen ueber fantastische Tropfsteinformationen. Ganz unten in der Tiefe sieht man Taucher mit lichtstarken blauen Lampen. Es ist wie in einem Maerchenland ... und wir schweben hindurch.
Was ich gesehen habe, ist wirklich sehr schwer zu beschreiben. Zum Glueck hat der Guide eine Unterwasserkamera dabei und ich kaufe ihm am Ende der Tour fuer ein erkleckliches Suemmchen die Bilddaten ab. Ich bin echt gespannt, wie die Bilder geworden sind, denn Worte zum Cenote fallen mir nicht mehr ein.
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Morgen werde ich Tulum verlassen und ueber Chitchen Itza erst mal zurueck nach Mèrida fahren und uebermorgen geht es dann nach Mexiko Stadt.
Das Highlight dieser Reise habe ich heute Vormittag im Cenote "Dos Ojos" erlebt.

1 Kommentar:

  1. na wenigstens geschnorchelt! das nächste mal bist du der taucher mit der taschenlampe unter dir!
    LG Lysann

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