Es ist der ewige Kampf zwischen Gut und Boese, der hier ausgetragen wird. Zwei Gruppen zu je drei Mann stehen sich im Ring gegenueber. Es gibt kein Signal fuer den Beginn des Kampfes, es geht einfach los. Die Guten gegen die Boesen. Beide Gruppen tragen farbige Masken und enge Hosen. Und der Kampf ist hart.
Anders betrachtet koennte man auch sagen: erwachsene, breitschultrige Maenner in der Bluete ihrer Jahre zwaengen sich in enge Hosen, setzten peinliche Masken auf, geben sich Namen wie Metro, Sangre Atzteca oder Stuka und hauen sich uebelst auf die Omme. Und am Ende tuen die sich noch nicht mal richtig weh.
Ich bin in der Arena Mexico, im groessten Austragungsort des Lucho Libre, der mexikanischen Spielart des Wrestling. Und was hier abgeht, ist wirklich schraeg. Auch wenn der Kampf reine Show ist, bin ich doch beeindruckt von der Koerperbeherrschung der Kaempfer, die sich wild aufeinander stuerzen, sich verhaken, ueberschlagen und teilweise ausserhalb des Ringes auf den Boden knallen. In seinen besten Momenten sieht der Kampf aus wie Brachial-Ballet. Und Manches, was die Typen veranstalten, muss einfach weh tun.
Die Arena ist riesig, aber nur knapp zur Haelfte gefuellt. Die Kaempfe finden mehrfach in der Woche statt und wahrscheinlich ist es nur zu grossen Kaempfen oder Meisterschaften wirklich voll. Trotzdem ist der Laermpegel nicht zu unterschaetzen. Das Publikum bruellt und quiekt. Besonders tun sich zwei US-Amerikanierinnen hervor, die genau hinter mir sitzen.
Nach dem Kampf geht es zurueck ins Hostel wo eine Surf-Punk-Band spielt und der Barkeeper alle mit Tequila abfuellt. Eine gelungene letzte Nacht in Mexiko.
_______
So, nun sind wir durch. Heute Abend fliege ich zurueck nach Hause und komme Sonntagabend gegen 22 Uhr in Leipzig an. Und am Montag beginnt ein neuer Arbeitstag.
Blobel in Mexiko
Samstag, 12. November 2011
Montag, 7. November 2011
Unter Wasser
1. Akumal
Der Stand sieht genau so aus, wie Straende aussehen sollten: Palmen, weisser Sand, gruen-blaues Meer. Diesmal geht es aber darum zu sehen, was sich unter der Wasseroberflaeche so tummelt. Aus diesem Grund trage ich einen Neophren-Shorty, Schwimmflossen sowie Taucherbrille samt Schnorchel. Ich bin nicht ganz allein im Wasser. Mit mir hat eine junge Franzoesin namens Gaelle diesen Trip gebucht und wir haben einen Guide, der keinen Shorty, dafuer aber einen dicken Bauch vor sich hertraegt ... und dann sind da noch die ganzen anderen Touristen mit Schnorchelausruestung.
Der erste Blick unter Wasser ist erst mal wenig spektakulaer: ein paar Fischlein und gelbliches Seegras auf weissem Sand. Aber dann kommt etwas Grosses in meinen Blick. Zwischen den Pflanzen grast gemuetlich eine grosse Meeresschildkroete, die sich von uns Schnorchlern gar nicht stoeren laesst. Sie ist wirklich recht gross und unterscheidet sich von denen, die ich im Pazifik gesehen habe. Das Schild zeigt eine Musterung, waehrend ihre pazifischen Verwandten einen mehr oder weniger glatten Schild hatten. Die Schildkroete taucht kurz zum Luftholen auf, dann wieder unter und wir schwimmen weiter.
Es gibt echt viele Schildkroeten vor Akumal. Wir sehen verschieden grosse. An den ganz grossen haben sich gruenliche Fische an den Panzer gehaengt, vermutlich sowas wie Putzerfische oder so. Dann schwimmen wir zu einem Riff nah am Strand. Es ist mein erstes Riff, aber ich habe das Gefuehl hier ein Riff zu sehen, dass totgetaucht wurde. Es gibt relativ wenige Fische, einmal lugt eine Muraene aus ihrer Hoehle, aber viel mehr ist nicht zu sehen. Ich bin trotzdem beeindruckt und aergere mich bei dieser Gelegenheit wiederholt, dass ich meinen Tauchschein zu Hause vergessen habe.
2. Cenote "Dos Ojos"
Die Halbinsel Yucatan muss man sich wie einen riesigen Schweizer Kaese aus Kalkstein vorstellen. Die Loecher, die die Oberflaeche erreichen, nennt man Cenote. Manche von ihnen sehen aus wie kreisrunde Weiler mitten im Wald. Zu einer anderen, viel spektakulaereren Art von Cenote, fuehrt der zweite Teil der Tour.
"Dos Ojos" bedeutet "Zwei Augen". Der Cenote hat diesen Namen, weil er aus zwei Teilen besteht, die unterirdisch verbunden sind. Wir gehen zuerst mehrere Treppen nach unten und stehen dann in einer mit Suesswasser gefuellten Tropfsteinhoehle. Hier geht es ins Wasser. Was dann folgt, kommt mir immer noch wie ein Traum vor.
Wir lassen uns ins Wasser gleiten. Zuvor hat der Guide wasserdichte Taschenlampen ausgeteilt. Die werden wir brauchen. In der Naehe des Eingangs des Cenote ist es noch hell im Wasser. Kleine Fischchen schwimmen mir direkt vor die Augen, aber Fische sind hier voellig uninteressant. Unter Wasser tut sich ein riesiges Hoehlenlabyrinth vor unseren Augen auf. Es ist tief, so tief, dass meine Taschenlampe teilweise ins Leere leuchtet. Wir schwimmen durch einen sehr schmalen Durchgang, wo ich mir (nicht zum letzten Mal) den Kopf an einem Stalaktiten stosse. Wenn man nur ins Wasser guckt, sieht man nicht, was darueber ist. Das sollte mir eine Lehre sein.
Die naechsten Hoehlen sind dunkel. Unsere Taschenlampen streifen ueber fantastische Tropfsteinformationen. Ganz unten in der Tiefe sieht man Taucher mit lichtstarken blauen Lampen. Es ist wie in einem Maerchenland ... und wir schweben hindurch.
Was ich gesehen habe, ist wirklich sehr schwer zu beschreiben. Zum Glueck hat der Guide eine Unterwasserkamera dabei und ich kaufe ihm am Ende der Tour fuer ein erkleckliches Suemmchen die Bilddaten ab. Ich bin echt gespannt, wie die Bilder geworden sind, denn Worte zum Cenote fallen mir nicht mehr ein.
____
Morgen werde ich Tulum verlassen und ueber Chitchen Itza erst mal zurueck nach Mèrida fahren und uebermorgen geht es dann nach Mexiko Stadt.
Das Highlight dieser Reise habe ich heute Vormittag im Cenote "Dos Ojos" erlebt.
Der Stand sieht genau so aus, wie Straende aussehen sollten: Palmen, weisser Sand, gruen-blaues Meer. Diesmal geht es aber darum zu sehen, was sich unter der Wasseroberflaeche so tummelt. Aus diesem Grund trage ich einen Neophren-Shorty, Schwimmflossen sowie Taucherbrille samt Schnorchel. Ich bin nicht ganz allein im Wasser. Mit mir hat eine junge Franzoesin namens Gaelle diesen Trip gebucht und wir haben einen Guide, der keinen Shorty, dafuer aber einen dicken Bauch vor sich hertraegt ... und dann sind da noch die ganzen anderen Touristen mit Schnorchelausruestung.
Der erste Blick unter Wasser ist erst mal wenig spektakulaer: ein paar Fischlein und gelbliches Seegras auf weissem Sand. Aber dann kommt etwas Grosses in meinen Blick. Zwischen den Pflanzen grast gemuetlich eine grosse Meeresschildkroete, die sich von uns Schnorchlern gar nicht stoeren laesst. Sie ist wirklich recht gross und unterscheidet sich von denen, die ich im Pazifik gesehen habe. Das Schild zeigt eine Musterung, waehrend ihre pazifischen Verwandten einen mehr oder weniger glatten Schild hatten. Die Schildkroete taucht kurz zum Luftholen auf, dann wieder unter und wir schwimmen weiter.
Es gibt echt viele Schildkroeten vor Akumal. Wir sehen verschieden grosse. An den ganz grossen haben sich gruenliche Fische an den Panzer gehaengt, vermutlich sowas wie Putzerfische oder so. Dann schwimmen wir zu einem Riff nah am Strand. Es ist mein erstes Riff, aber ich habe das Gefuehl hier ein Riff zu sehen, dass totgetaucht wurde. Es gibt relativ wenige Fische, einmal lugt eine Muraene aus ihrer Hoehle, aber viel mehr ist nicht zu sehen. Ich bin trotzdem beeindruckt und aergere mich bei dieser Gelegenheit wiederholt, dass ich meinen Tauchschein zu Hause vergessen habe.
2. Cenote "Dos Ojos"
Die Halbinsel Yucatan muss man sich wie einen riesigen Schweizer Kaese aus Kalkstein vorstellen. Die Loecher, die die Oberflaeche erreichen, nennt man Cenote. Manche von ihnen sehen aus wie kreisrunde Weiler mitten im Wald. Zu einer anderen, viel spektakulaereren Art von Cenote, fuehrt der zweite Teil der Tour.
"Dos Ojos" bedeutet "Zwei Augen". Der Cenote hat diesen Namen, weil er aus zwei Teilen besteht, die unterirdisch verbunden sind. Wir gehen zuerst mehrere Treppen nach unten und stehen dann in einer mit Suesswasser gefuellten Tropfsteinhoehle. Hier geht es ins Wasser. Was dann folgt, kommt mir immer noch wie ein Traum vor.
Wir lassen uns ins Wasser gleiten. Zuvor hat der Guide wasserdichte Taschenlampen ausgeteilt. Die werden wir brauchen. In der Naehe des Eingangs des Cenote ist es noch hell im Wasser. Kleine Fischchen schwimmen mir direkt vor die Augen, aber Fische sind hier voellig uninteressant. Unter Wasser tut sich ein riesiges Hoehlenlabyrinth vor unseren Augen auf. Es ist tief, so tief, dass meine Taschenlampe teilweise ins Leere leuchtet. Wir schwimmen durch einen sehr schmalen Durchgang, wo ich mir (nicht zum letzten Mal) den Kopf an einem Stalaktiten stosse. Wenn man nur ins Wasser guckt, sieht man nicht, was darueber ist. Das sollte mir eine Lehre sein.
Die naechsten Hoehlen sind dunkel. Unsere Taschenlampen streifen ueber fantastische Tropfsteinformationen. Ganz unten in der Tiefe sieht man Taucher mit lichtstarken blauen Lampen. Es ist wie in einem Maerchenland ... und wir schweben hindurch.
Was ich gesehen habe, ist wirklich sehr schwer zu beschreiben. Zum Glueck hat der Guide eine Unterwasserkamera dabei und ich kaufe ihm am Ende der Tour fuer ein erkleckliches Suemmchen die Bilddaten ab. Ich bin echt gespannt, wie die Bilder geworden sind, denn Worte zum Cenote fallen mir nicht mehr ein.
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Morgen werde ich Tulum verlassen und ueber Chitchen Itza erst mal zurueck nach Mèrida fahren und uebermorgen geht es dann nach Mexiko Stadt.
Das Highlight dieser Reise habe ich heute Vormittag im Cenote "Dos Ojos" erlebt.
Donnerstag, 3. November 2011
Die Hoehlen von Loltún
In den fotokopierten Informationsblaettern, die ich vom Hostel in Mérida bekommen hatte, las ich etwas von den Hoehlen von Loltún. Klang interessant. Das Hinkommen war allerdings etwas schwierig. Zuerst musste ich zu einem Ort mit dem schoenen Namen Oxkutzcab (was wie Osch-kuts-kaap gesprochen wird und irgendwie thailaendisch klingt). Da ich das entsprechenden Bus-Terminal in Mérida nicht fand, entschied ich mich fuer die Fahrt mit einem collectivo. Das hat den Vorteil, dass es etwas billiger ist - hat allerdings den Nachteil, dass es erst dann faehrt, wenn es voll ist. Der Fahrer sagte, er faehrt mit 12 Personen los. Mit mir waren es im Moment vier. Nach knapp anderthalb Stunden ging es los (ich war schon langsam etwas ungeduldig geworden) und nach weiteren anderthalb Stunden stieg ich in Oxkutzcab wieder aus.
In den fotokopierten Informationsblaettern des Hostels war zu lesen, dass die Hoehlen von Loltún ganz in der Naehe des Ortes sind. Ich wollte laufen und fragte immer wieder nach dem Weg - und war verwundert, jedes mal auf Taxis hingewiesen zu werden. Na gut, dann nahm ich also ein Taxi. Und das war gut so, denn waere ich den Weg bei der Mittagshitze von etwa 40 Grad Celsius gelaufen, haette man mich durch die Hoehlen tragen muessen. Nach 20 min kam ich bei den Hoehlen an, die irgendwo mitten im Nirgendwo lagen. Ich war der einzige Tourist weit und breit. Zwei Hoehlen-Fuehrer luemmelten auf einer kleinen Mauer im Schatten. In einer halben Stunde geht die Fuehrung los, sagte der eine, der ziemlich gutes Englisch sprach. Waehrend des Wartens fand ich heraus, dass der Eintritt in die Hoehlen das Doppelte von dem betraegt, was die fotokopierten Informationsblaetter des Hostels angaben. Und der Fuehrer kostet extra. Was solls - wenn ich einmal hier bin!
Puenktlich ging es los und wir stiegen in die Unterwelt. Diese Hoehlen sind wirklich gross! Die erste Hoehle des System hatte den Namen "Die Kathedrale". Das war zwar ziemlich uebertrieben, aber eine mittelgrosse Kirche haette locker reingepasst. Von den Decken hingen Stalaktiten in fantastischen Formen. An den Waenden gab es diese Formationen, die wie Wasserfaelle aussehen. Wir liefen etwa eine halbe Stunde durch eine faszinierende Hoehlenlandschaft, die an einigen Stellen fuer meinen Geschmack etwas zu dramatisch bleuchtet war. Die Tour endete in einem grossen Durchbruch nach oben, in dem Baeume standen und von dessen Raendern sich Lianen nach unten ringelten. Die Fuehrung hat zwar nur ein Drittel so lang gedauert, wie es in den fotokopierten Informationsblaettern des Hostels stand, aber ich fand es trotzdem toll.
Die naechste Frage war: Wie komme ich zurueck? Ich fragte den Fuehrer und der sagte, ich muesse trampen. Da stand ich also in der Hitze des Tages irgendwo im Nirgendwo und winkte den entgegenkommenden Fahrzeugen erst zu und dann hinterher. Schliesslich erbarmte sich ein Pick-up-fahrender Bauer meiner. Das Fahrerhaus war voll, aber auf der Ladeflaeche war noch Platz ... ein wenig, denn dort waren schon viele Apfelsinenkisten gestapelt und vier mexikanische Bauern sassen wie die Huehner dahinter auf dem Rand der Ladeflaeche. Und dazwischen gab es noch einen winzigen Platz. Und dieser Platz war fuer mich. Mit einer halben Pobacke sass ich auf dem Rand des Pick-ups und mit den Haenden hielt ich mich krampfhaft an den Apfelsinenkisten fest. Waehre der Fahrer etwas zu sportlich durch ein Schlagloch gefahren, waere ich wahrscheinlich im Schlagloch gelandet. Aber wir kamen gut in Oxkutzcab an.
Ich suchte die Abfahrtsstelle fuer die collectivos nach Mérida und fand sie samt fahrbereitem Sammeltaxi. Ich stieg ein. Wir fuhren los. Und hier koennte die Geschichte zu Ende sein.
Ist sie aber nicht. Auf halber Stecke zwischen Oxkutzcab und Mérida kam Montezumas Rache ueber mich. Es war so dringend, dass ich den Fahrer sehr nachdruecklich darum bat, anzuhalten. Er tat mir sofort den Gefallen und ich verschwand drei Meter im dichten Dschungel. Wie gut, dass ich die fotokopierten Informationsblaetter des Hostels bei mir hatte, die ich sogleich einem sinnvollen Zweck zufuehrte.
___
Morgen Vormittag fahre ich von Mérida nach Tulum und bin dann hoffentlich an einem schoenen Strand samt Ruinen. Eine Tour nach Chitchen Itza mache ich dann (vielleicht) von dort. Aber eigentlich will ich jetzt mal ein paar Tage abhaengen.
Noch was: Der Grund, warum es in meinem Blog fast keine Fotos gibt, liegt darin, dass ich hier teilweise an Rechnern sitze, die aus der Zeit vor der Erfindung des USB stammen. Sorry, da muesst Ihr wohl warten, bis ich wieder zu Hause bin.
In den fotokopierten Informationsblaettern des Hostels war zu lesen, dass die Hoehlen von Loltún ganz in der Naehe des Ortes sind. Ich wollte laufen und fragte immer wieder nach dem Weg - und war verwundert, jedes mal auf Taxis hingewiesen zu werden. Na gut, dann nahm ich also ein Taxi. Und das war gut so, denn waere ich den Weg bei der Mittagshitze von etwa 40 Grad Celsius gelaufen, haette man mich durch die Hoehlen tragen muessen. Nach 20 min kam ich bei den Hoehlen an, die irgendwo mitten im Nirgendwo lagen. Ich war der einzige Tourist weit und breit. Zwei Hoehlen-Fuehrer luemmelten auf einer kleinen Mauer im Schatten. In einer halben Stunde geht die Fuehrung los, sagte der eine, der ziemlich gutes Englisch sprach. Waehrend des Wartens fand ich heraus, dass der Eintritt in die Hoehlen das Doppelte von dem betraegt, was die fotokopierten Informationsblaetter des Hostels angaben. Und der Fuehrer kostet extra. Was solls - wenn ich einmal hier bin!
Puenktlich ging es los und wir stiegen in die Unterwelt. Diese Hoehlen sind wirklich gross! Die erste Hoehle des System hatte den Namen "Die Kathedrale". Das war zwar ziemlich uebertrieben, aber eine mittelgrosse Kirche haette locker reingepasst. Von den Decken hingen Stalaktiten in fantastischen Formen. An den Waenden gab es diese Formationen, die wie Wasserfaelle aussehen. Wir liefen etwa eine halbe Stunde durch eine faszinierende Hoehlenlandschaft, die an einigen Stellen fuer meinen Geschmack etwas zu dramatisch bleuchtet war. Die Tour endete in einem grossen Durchbruch nach oben, in dem Baeume standen und von dessen Raendern sich Lianen nach unten ringelten. Die Fuehrung hat zwar nur ein Drittel so lang gedauert, wie es in den fotokopierten Informationsblaettern des Hostels stand, aber ich fand es trotzdem toll.
Die naechste Frage war: Wie komme ich zurueck? Ich fragte den Fuehrer und der sagte, ich muesse trampen. Da stand ich also in der Hitze des Tages irgendwo im Nirgendwo und winkte den entgegenkommenden Fahrzeugen erst zu und dann hinterher. Schliesslich erbarmte sich ein Pick-up-fahrender Bauer meiner. Das Fahrerhaus war voll, aber auf der Ladeflaeche war noch Platz ... ein wenig, denn dort waren schon viele Apfelsinenkisten gestapelt und vier mexikanische Bauern sassen wie die Huehner dahinter auf dem Rand der Ladeflaeche. Und dazwischen gab es noch einen winzigen Platz. Und dieser Platz war fuer mich. Mit einer halben Pobacke sass ich auf dem Rand des Pick-ups und mit den Haenden hielt ich mich krampfhaft an den Apfelsinenkisten fest. Waehre der Fahrer etwas zu sportlich durch ein Schlagloch gefahren, waere ich wahrscheinlich im Schlagloch gelandet. Aber wir kamen gut in Oxkutzcab an.
Ich suchte die Abfahrtsstelle fuer die collectivos nach Mérida und fand sie samt fahrbereitem Sammeltaxi. Ich stieg ein. Wir fuhren los. Und hier koennte die Geschichte zu Ende sein.
Ist sie aber nicht. Auf halber Stecke zwischen Oxkutzcab und Mérida kam Montezumas Rache ueber mich. Es war so dringend, dass ich den Fahrer sehr nachdruecklich darum bat, anzuhalten. Er tat mir sofort den Gefallen und ich verschwand drei Meter im dichten Dschungel. Wie gut, dass ich die fotokopierten Informationsblaetter des Hostels bei mir hatte, die ich sogleich einem sinnvollen Zweck zufuehrte.
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Morgen Vormittag fahre ich von Mérida nach Tulum und bin dann hoffentlich an einem schoenen Strand samt Ruinen. Eine Tour nach Chitchen Itza mache ich dann (vielleicht) von dort. Aber eigentlich will ich jetzt mal ein paar Tage abhaengen.
Noch was: Der Grund, warum es in meinem Blog fast keine Fotos gibt, liegt darin, dass ich hier teilweise an Rechnern sitze, die aus der Zeit vor der Erfindung des USB stammen. Sorry, da muesst Ihr wohl warten, bis ich wieder zu Hause bin.
Dienstag, 1. November 2011
Die seltsamen Gebraeuche des Dorfes Pomuch
Der alten Frau geht es gut. Sie laechelt und ist gar nicht traurig. Sie ist gerade beim Putzen. Sie putzt die Knochen und den Schaedel ihres verstorbenen Gatten.
Ich bin in Pomuch, etwa 50 km von Campeche entfernt. Das Maya-Dorf wirkt ziemlich schmutzig und oede. Statt Taxis benutzen die Bewohner Fahrrad-Rikshahs zur Fortbewegung. Pomuch ist fuer zwei Dinge bekannt: fuehr sein leckeres Backwerk und fuer seine seltsamen Bestattungsrituale.
Zuerst begraben sie ihre Frischverstorbenen, graben sie aber nach einem Jahr wieder aus, reinigen die Knochen und legen sie dann in Saerge, die sie in kleine Mausoleen auf den Graebern stellen. Die Saerge sind nicht geschlossen. Die Deckel sind angekippt, so dass der bleiche Schaedel des Verstorbenen (zum Teil noch mit Haaren auf dem Haupt) nach draussen blicken kann.
Jedes Jahr zu den Tagen der Toten (die zufaellig heute und morgen sind) kommen die Bewohner von Pomuch auf den Friedhof, schmuecken die Graeber mit Blumen und, die Gelegenheit ist guenstig, reinigen die Knochen ihrer Verstorbenen.
Dieses Ritual steht zum Glueck nicht im Lonely Planet. Ich habe durch Zufall von einem Typen in meinem Hotel davon erfahren. Es fahren auch keine Reisegruppen nach Pomuch. Ich musste ein collectivo genanntes Sammeltaxi nehmen. Die Fahrt dauerte eine Stunde. Als ich aus dem Sammeltaxi ausstieg, hoerte es gerade auf zu regnen. Der Friedhof war leicht zu finden ... nicht nur fuer mich. Die Freunde von Reuters waren schon da. Gut fuer mich, da ich nun nicht mehr nach der Erlaubnis zum Fotografieren fragen musste und mich einfach den anderen Journalisten anschloss. Die Bewohner waren uns gegenueber erstaunlich aufgeschlossen und liessen sich bereitwillig fotografieren und filmen.
Nach einer Stunde hatte ich genug gesehen. Kaum kam ich aus dem Friedhof heraus, kam auch schon ein collectivo nach Campeche. Kaum hatte ich mich auf den letzten freien Platz gesetzt, fing es wieder in Stroemen zu regnen an.
______
Zurueck in Campeche habe ich mich auf dem Weg zum Hotel total verlaufen, kam aber dadurch am Busterminal vorbei, dass ich ansonsten nie gefunden haette, und kaufte mir dort ein Ticket fuer morgen nach Merida.
UND NOCH WAS: Die Kommentaroption dieses Blogs ist jetzt fuer alle freigeschlatet.
Ich bin in Pomuch, etwa 50 km von Campeche entfernt. Das Maya-Dorf wirkt ziemlich schmutzig und oede. Statt Taxis benutzen die Bewohner Fahrrad-Rikshahs zur Fortbewegung. Pomuch ist fuer zwei Dinge bekannt: fuehr sein leckeres Backwerk und fuer seine seltsamen Bestattungsrituale.
Zuerst begraben sie ihre Frischverstorbenen, graben sie aber nach einem Jahr wieder aus, reinigen die Knochen und legen sie dann in Saerge, die sie in kleine Mausoleen auf den Graebern stellen. Die Saerge sind nicht geschlossen. Die Deckel sind angekippt, so dass der bleiche Schaedel des Verstorbenen (zum Teil noch mit Haaren auf dem Haupt) nach draussen blicken kann.
Jedes Jahr zu den Tagen der Toten (die zufaellig heute und morgen sind) kommen die Bewohner von Pomuch auf den Friedhof, schmuecken die Graeber mit Blumen und, die Gelegenheit ist guenstig, reinigen die Knochen ihrer Verstorbenen.
Dieses Ritual steht zum Glueck nicht im Lonely Planet. Ich habe durch Zufall von einem Typen in meinem Hotel davon erfahren. Es fahren auch keine Reisegruppen nach Pomuch. Ich musste ein collectivo genanntes Sammeltaxi nehmen. Die Fahrt dauerte eine Stunde. Als ich aus dem Sammeltaxi ausstieg, hoerte es gerade auf zu regnen. Der Friedhof war leicht zu finden ... nicht nur fuer mich. Die Freunde von Reuters waren schon da. Gut fuer mich, da ich nun nicht mehr nach der Erlaubnis zum Fotografieren fragen musste und mich einfach den anderen Journalisten anschloss. Die Bewohner waren uns gegenueber erstaunlich aufgeschlossen und liessen sich bereitwillig fotografieren und filmen.
Nach einer Stunde hatte ich genug gesehen. Kaum kam ich aus dem Friedhof heraus, kam auch schon ein collectivo nach Campeche. Kaum hatte ich mich auf den letzten freien Platz gesetzt, fing es wieder in Stroemen zu regnen an.
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Zurueck in Campeche habe ich mich auf dem Weg zum Hotel total verlaufen, kam aber dadurch am Busterminal vorbei, dass ich ansonsten nie gefunden haette, und kaufte mir dort ein Ticket fuer morgen nach Merida.
UND NOCH WAS: Die Kommentaroption dieses Blogs ist jetzt fuer alle freigeschlatet.
Montag, 31. Oktober 2011
Indiana Jones und der Wald der Lacandónes
Der Lacandón-Urwald liegt im oestlichen Chiapas, nahe der Grenze zu Guatemala. Hier wohnen die Lacandón-Indianer. Noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts liefen sie unberuehrt von der westlichen Zivilisation durch den Wald, bekleidet mit weissen Hemden, die Haare geschnitten wie Metal-Bands aus den spaeten 70ern. Der Legende nach lebten sie im Einklang mit der Natur. Das ist lange her. Wer von den Lacandónes noch lange Haare traegt, schmiert viel Gel in sie hinein und bindet sie hinten zum Pferdeschwanz. Und das lange weisse Hemd tragen nur noch Andenkenverkaeufer und Fremdenfuehrer.
Der Fuehrer, der mich und ein franzoesisches Dreadlock-Paerchen mit den schoenen Namen Virginie und Jean-Pierre durch den Wald fuehren soll, traegt ein weisses Hemd und lange Haare. Er nennt sich Ulysses, heisst aber in Wirklichkeit Chan'bor.
Auf einem schmalen Pfad geht es in den Dschungel. Es ist ueberraschend kuehl, aber die Luftfeuchtigkeit betraegt froehliche 100%. Kaum losgelaufen, schon kleben die Klamotten am Leib. Rings um uns ist es gruen, der graue Himmel ist kaum zu sehen. An einer Weggabelung stellt uns Ulysses vor die Wahl. Links lang, und wir kommen zu einem Wasserfall fuer den wir 35 Pesos Eintritt bezahlen muessen. Rechts rum, und er fuehrt uns in die tiefsten Tiefen des Lacandón-Waldes - dorthin, wo es keine Bruecken gibt. Unsere Antwort ist klar: Rechts!
Was er mit "keine Bruecken" gemeint hat, wird schnell klar: es gibt wirklich keine Bruecken und der Rio Lacanjá ist entschieden zu breit fuer einen grossen Schritt. Bei der ersten Ueberquerung laufen wir etwa 30 m oberhalb eines kleinen Wasserfalls durch den Fluss, dessen Stroemung ... aeh ... recht bemerkenswert ist. Abgesehen davon sind die Steine glatt. Wir laufen barfuss, die Trekking-Stiefel in der Hand, muehsam das Gleichgewicht wahrend. Dann bin ich drueben, stehen mit den nackten Fuessen in Schlamm und werde ploetzlich fiess gezwickt. Ihr erinnert Euch sicher an die Ameisen aus "Indiana Jones IV"? Die waren es nicht! Es waren die kleineren Brueder und Schwestern, die sich an meinen Fuessen zu schaffen machten. Struempfe drueber, Schuhe an und die meisten Ameisen sind wahrscheinlich ertrunken, weil alles nass ist. Bei der naechsten Flussueberquerung bin ich schon etwas routinierter. Und bei der dritten ein alter Hase.
Es geht einen Berg hinauf. Erst als Ulysses uns darauf aufmerksam macht stellen wir fest, dass der Berg Stufen hat. Wir laufen eine Maya-Pyramide hinauf. Eigenlich befinden wir uns mitten in einer alten Stadt, die vollstaendig vom Dschungel ueberwuchert ist. Ab und zu sieht man ein paar behauene Steine unter den Wurzeln von Urwaldriesen. Und ganz oben auf dem Huegel steht ein kleiner Tempel. Komplett durchgeschwitzt setze ich mich in eine der Tueren des Tempels und fuehle mich ein bisschen wie Indiana Jones.
Seit heute Nachmittag bin ich in Campeche am Golf von Mexiko. Hier werde ich bis uebermorgen bleiben und hoffe, dass ich hier morgen was vom Dia de los Muertes zu sehen bekomme.
Freitag, 28. Oktober 2011
Der Palast im Dschungel
Der Titel dieses Posts koennte sich durchaus auf die Ruinen von Palenque beziehen. Ich bin naemlich gerade in Palenque. Diesmal geht es aber (ausnahmsweise) um mein Hotel. Es heisst "Jungle Palace". Der erste Teil ist wahr, das Hotel ist tatsaechlich mitten im Dschungel. Der zweite Teil ist eine masslose Uebertreibung. Es sei denn, ein Palast ist neuerdings eine planlos im Wald vertreute Ansammlung von Bretterbuden, deren Bretter wirklich extrem duenn sind. Die Fenster bestehen aus Fliegengittern. Fuer die Privatsphaere gibt es Gardinen, die aber nicht mehr alle ganz ganz sind. Auf dem Weg von der Bar ins Bett muss ich aufpassen, dass ich nicht in den Fluss falle.
Des Nachts zirpen Armeen von Zikaden. Und manchmal, wie zum Beispiel in der letzten Nacht, kommt noch ein weiteres Geraeusch hinzu. Es ist eine Mischung aus Brummen und Bruellen unterbrochen von einigen kurzen Toenen, die klingen als wuerde jemand in ein Ofenrohr husten. Und es ist laut. Der Verursacher stand wahrscheinlich nachts um halb drei direkt vor meiner cabaña genannten Huette und machte Krach. Ich bin zwar neugierig, aber ich ging lieber nicht vor die Tuer. Die Wahscheinlichkeit, dass es sich um ein boeses Raubtier handelte, ist sehr gering. Viel wahrscheinlicher ist, dass es sich um einen Bruellaffen handelte. Ich werde es wohl nie erfahren.
Heute Vormittag habe ich mir die Ruinen von Palenque angesehen. Sehr beeindruckend!
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Die naechsten beiden Tage mache ich eine Tour an die Grenze von Guatemala, in den Lacandón-Urwald. Dort gibt es Tempel, Urwald und Indianer. Ich freu mich schon drauf.
Mittwoch, 26. Oktober 2011
Die Kirche in Chamula
Von aussen sieht die Kirche in den kleinen Oertchen San Juan Chamula aus wie jede andere Kirche in Mexiko auch. Sie ist weiss getuencht und statt eines Kirchturms haengen die drei Glocken oben in der erweiterten Frontmauer. Darueber ein schlichtes Kreuz. Vor der Kirche ein leerer ummauerter Platz, davor der Markt des Ortes, auf dem die Bewohner vom Maya-Stamm der Tzotzil ihre Wahren verkaufen. 10 Kilometer sind es bis zur naechsten Stadt: San Cristóbal de las Casas im Bundesstaat Chiapas.
Doch diese Kirche ist besonders. Zwar nennen sich die Glaeubigen Katholiken, aber mit dem Papst in Rom haben sie nichts zu tun. Beim Betreten der Kirche wird das sofort klar. Das Gestuehl fehlt. Statt dessen ist der Boden mit Piniennadeln bedeckt, so dass es riecht wie in einem Wald. Auf Tischen an den Waenden stehen Skulpturen von Heiligen in Glasvitrinen. Manche sind mit Spiegeln verziert, manche nicht. Die Glaeubigen hocken auf dem Boden. Sie zuenden Kerzen in verschiedenen Farben an, opfern Schnaps und Coca Cola dem Heiligen, den sie um etwas bitten. An einigen Stellen werden Eier auf dem Boden zerschlagen. Alles geschieht in grossem Ernst. Von den Touristen, die durch die Kirche schlendern, lassen sich die Betenden nicht stoeren. Eine junge Mutter in farbiger Tracht ihres Volkes, hat ein Kind, eingewickelt in einen Schal, in den Armen. Eine andere Frau, eine Schamanin, hat die Haende des Kindes ergriffen und fuehlt den Puls und somit die Seele des Kindes. Einer der 18 Fueher des Volkes, die ihr Amt jeweils fuer ein Jahr ausueben, geht durch den Raum und sieht nach dem rechten. Im Altarraum steht im Zentrum Johannes der Taeufer. Jesus und die Jungfrau von Guadalupe stehen nur daneben.
In dieser Kirche vermischen sich der alte Glaube der Maya mit dem katholischen Christentum. Der Reisefuehrer, selbst ein Mestize, sagt laechelnd: "Die Eroberung durch die Spanier vor 500 Jahren hat nicht wirklich funktioniert."
____
Morgen Mittag geht es weiter nach Palenque in den Dschungel.
Doch diese Kirche ist besonders. Zwar nennen sich die Glaeubigen Katholiken, aber mit dem Papst in Rom haben sie nichts zu tun. Beim Betreten der Kirche wird das sofort klar. Das Gestuehl fehlt. Statt dessen ist der Boden mit Piniennadeln bedeckt, so dass es riecht wie in einem Wald. Auf Tischen an den Waenden stehen Skulpturen von Heiligen in Glasvitrinen. Manche sind mit Spiegeln verziert, manche nicht. Die Glaeubigen hocken auf dem Boden. Sie zuenden Kerzen in verschiedenen Farben an, opfern Schnaps und Coca Cola dem Heiligen, den sie um etwas bitten. An einigen Stellen werden Eier auf dem Boden zerschlagen. Alles geschieht in grossem Ernst. Von den Touristen, die durch die Kirche schlendern, lassen sich die Betenden nicht stoeren. Eine junge Mutter in farbiger Tracht ihres Volkes, hat ein Kind, eingewickelt in einen Schal, in den Armen. Eine andere Frau, eine Schamanin, hat die Haende des Kindes ergriffen und fuehlt den Puls und somit die Seele des Kindes. Einer der 18 Fueher des Volkes, die ihr Amt jeweils fuer ein Jahr ausueben, geht durch den Raum und sieht nach dem rechten. Im Altarraum steht im Zentrum Johannes der Taeufer. Jesus und die Jungfrau von Guadalupe stehen nur daneben.
In dieser Kirche vermischen sich der alte Glaube der Maya mit dem katholischen Christentum. Der Reisefuehrer, selbst ein Mestize, sagt laechelnd: "Die Eroberung durch die Spanier vor 500 Jahren hat nicht wirklich funktioniert."
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Morgen Mittag geht es weiter nach Palenque in den Dschungel.
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