Montag, 31. Oktober 2011

Indiana Jones und der Wald der Lacandónes

Der Lacandón-Urwald liegt im oestlichen Chiapas, nahe der Grenze zu Guatemala. Hier wohnen die Lacandón-Indianer. Noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts liefen sie unberuehrt von der westlichen Zivilisation durch den Wald, bekleidet mit weissen Hemden, die Haare geschnitten wie Metal-Bands aus den spaeten 70ern. Der Legende nach lebten sie im Einklang mit der Natur. Das ist lange her. Wer von den Lacandónes noch lange Haare traegt, schmiert viel Gel in sie hinein und bindet sie hinten zum Pferdeschwanz. Und das lange weisse Hemd tragen nur noch Andenkenverkaeufer und Fremdenfuehrer.
Der Fuehrer, der mich und ein franzoesisches Dreadlock-Paerchen mit den schoenen Namen Virginie und Jean-Pierre durch den Wald fuehren soll, traegt ein weisses Hemd und lange Haare. Er nennt sich Ulysses, heisst aber in Wirklichkeit Chan'bor.
Auf einem schmalen Pfad geht es in den Dschungel. Es ist ueberraschend kuehl, aber die Luftfeuchtigkeit betraegt froehliche 100%. Kaum losgelaufen, schon kleben die Klamotten am Leib. Rings um uns ist es gruen, der graue Himmel ist kaum zu sehen. An einer Weggabelung stellt uns Ulysses vor die Wahl. Links lang, und wir kommen zu einem Wasserfall fuer den wir 35 Pesos Eintritt bezahlen muessen. Rechts rum, und er fuehrt uns in die tiefsten Tiefen des Lacandón-Waldes - dorthin, wo es keine Bruecken gibt. Unsere Antwort ist klar: Rechts!
Was er mit "keine Bruecken" gemeint hat, wird schnell klar: es gibt wirklich keine Bruecken und der Rio Lacanjá ist entschieden zu breit fuer einen grossen Schritt. Bei der ersten Ueberquerung laufen wir etwa 30 m oberhalb eines kleinen Wasserfalls durch den Fluss, dessen Stroemung ... aeh ... recht bemerkenswert ist. Abgesehen davon sind die Steine glatt. Wir laufen barfuss, die Trekking-Stiefel in der Hand, muehsam das Gleichgewicht wahrend. Dann bin ich drueben, stehen mit den nackten Fuessen in Schlamm und werde ploetzlich fiess gezwickt. Ihr erinnert Euch sicher an die Ameisen aus "Indiana Jones IV"? Die waren es nicht! Es waren die kleineren Brueder und Schwestern, die sich an meinen Fuessen zu schaffen machten. Struempfe drueber, Schuhe an und die meisten Ameisen sind wahrscheinlich ertrunken, weil alles nass ist. Bei der naechsten Flussueberquerung bin ich schon etwas routinierter. Und bei der dritten ein alter Hase.
Es geht einen Berg hinauf. Erst als Ulysses uns darauf aufmerksam macht stellen wir fest, dass der Berg Stufen hat. Wir laufen eine Maya-Pyramide hinauf. Eigenlich befinden wir uns mitten in einer alten Stadt, die vollstaendig vom Dschungel ueberwuchert ist. Ab und zu sieht man ein paar behauene Steine unter den Wurzeln von Urwaldriesen. Und ganz oben auf dem Huegel steht ein kleiner Tempel. Komplett durchgeschwitzt setze ich mich in eine der Tueren des Tempels und fuehle mich ein bisschen wie Indiana Jones.
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Seit heute Nachmittag bin ich in Campeche am Golf von Mexiko. Hier werde ich bis uebermorgen bleiben und hoffe, dass ich hier morgen was vom Dia de los Muertes zu sehen bekomme.

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