Von aussen sieht die Kirche in den kleinen Oertchen San Juan Chamula aus wie jede andere Kirche in Mexiko auch. Sie ist weiss getuencht und statt eines Kirchturms haengen die drei Glocken oben in der erweiterten Frontmauer. Darueber ein schlichtes Kreuz. Vor der Kirche ein leerer ummauerter Platz, davor der Markt des Ortes, auf dem die Bewohner vom Maya-Stamm der Tzotzil ihre Wahren verkaufen. 10 Kilometer sind es bis zur naechsten Stadt: San Cristóbal de las Casas im Bundesstaat Chiapas.
Doch diese Kirche ist besonders. Zwar nennen sich die Glaeubigen Katholiken, aber mit dem Papst in Rom haben sie nichts zu tun. Beim Betreten der Kirche wird das sofort klar. Das Gestuehl fehlt. Statt dessen ist der Boden mit Piniennadeln bedeckt, so dass es riecht wie in einem Wald. Auf Tischen an den Waenden stehen Skulpturen von Heiligen in Glasvitrinen. Manche sind mit Spiegeln verziert, manche nicht. Die Glaeubigen hocken auf dem Boden. Sie zuenden Kerzen in verschiedenen Farben an, opfern Schnaps und Coca Cola dem Heiligen, den sie um etwas bitten. An einigen Stellen werden Eier auf dem Boden zerschlagen. Alles geschieht in grossem Ernst. Von den Touristen, die durch die Kirche schlendern, lassen sich die Betenden nicht stoeren. Eine junge Mutter in farbiger Tracht ihres Volkes, hat ein Kind, eingewickelt in einen Schal, in den Armen. Eine andere Frau, eine Schamanin, hat die Haende des Kindes ergriffen und fuehlt den Puls und somit die Seele des Kindes. Einer der 18 Fueher des Volkes, die ihr Amt jeweils fuer ein Jahr ausueben, geht durch den Raum und sieht nach dem rechten. Im Altarraum steht im Zentrum Johannes der Taeufer. Jesus und die Jungfrau von Guadalupe stehen nur daneben.
In dieser Kirche vermischen sich der alte Glaube der Maya mit dem katholischen Christentum. Der Reisefuehrer, selbst ein Mestize, sagt laechelnd: "Die Eroberung durch die Spanier vor 500 Jahren hat nicht wirklich funktioniert."
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Morgen Mittag geht es weiter nach Palenque in den Dschungel.
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