Dass der Fahrer des Kleinbusses, der mich ueber die Berge nach Puerto Escondido bringen soll, komplett verrueckt ist, sehe ich ihm gar nicht an. Er sieht wie ein typischer Mexikaner aus: klein und dick, ein Schnauzbart kroent sein breites Laecheln. Aber hinter seinen Augen lauert der Wahnsinn. Solange wir durch das breite, fruchtbare Tal fahren, dass sich nach Oaxaca vor uns ausbreitete, ist alles okay. Doch dann kommen die Berge - und mit ihnen der Horror.
Kurve links, Kurve rechts, berauf, bergab. Immer voll aufs Gas. Meine Innereien fangen an, sich ineinander zu verknoten und ich bin froh, dass ich den Tag ueber noch nicht viel gegessen habe, denn das waere jetzt wieder draussen. Dabei ist die Landschaft wirklich schoen. Alles ist gruen, Baechlein ringeln sich durch die Taeler, Kakteen spriessen zwischen Baeumen und fast jede Kurve ist mit Kreuzen verziert. Bei unserer einzigen Rast machte ich George, einen hageren Kanadier mit zum Zopf gebundenen weissen Haaren, auf die Kreuze am Strassenrand aufmerksam und teile ihm meine Vermutung mit, dass die Bergbevoelkerung wohl sehr religioes sein. George laesst ein gezwungenes, trockenes Lachen hoeren.
Weiter gehts bergauf, bergab. Hinter dem naechsten Berg vermute ich immer das Meer, aber hinter dem naechsten Berg ist nichts weiter als der naechste Berg ... stundenlang. Dem Fahrer gehts zu langsam. Ein Lkw tuckelt gemaechlich vor uns hin. Dann, kurz vor einer unuebersichtlichen Kurve, gibt der Fahrer Gas, setzt zum Ueberholen an, der Lkw-Fahrer sieht das, ist auf einen Kampf aus und gibt seinerseits Gas, ein Rennen vor der Kurve beginnt und ich denke Oh mein Gott und ich sehen den Kanadiern an, dass sie denken Oh my God und dass die Mexikaner denken Santa madre de Guadolupe salvarnos und der Fahrer zieht am Lkw vorbei und der Lkw gibt noch mal Gas und die Kurve kommt immer naeher und dann sind wir vorbei und nichts ist passiert und ich beschliesse, auszuathmen. Der Mexikaner, der neben mir sitzt, athmet ebenfalls hoerbar aus, sieht mich an und lacht erleichtert.
Sieben Stunden Fahrt - und dann endlich sind wir in Puerto Escondido und vor uns erstreckt sich strahlend im Sonnenschein der pazifische Ozean. Alle, die mexikanischen Passagiere eingeschlossen, freuen sich ihres Lebens.
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