Mittwoch, 19. Oktober 2011
Der alte Mann und das Saxophon
Am zentralen Platz von Oaxaca, dem Zocalo, steht ein alter Mann. Er traegt Sandalen, eine ausgeblichene graue Hose, ein weisses Hemd, auf dem Kopf einen gelben Strohut. Der alte Mann spielt Saxophon. Er hat die Augen geschlossen und nimmt die Welt um sich herum nicht wahr. Er sieht nicht das bunte Treiben auf dem Platz, nicht die Touristen, die an den Tischen in den Reastaurants unter den Arkaden platzgenommen haben, nicht die Indiofrauen, die Schmuck und Tuecher verkaufen, nicht die Baeume, nicht die spielenden Kinder, nicht die abgerissenen Bettler. Auch hoert er nicht die Band, die am anderen Ende des Platzes spielt, hoert nicht die revolutionaeren Kampflieder ("Venceremos!") die aus Lautsprechern plaerren und nicht die Arbeiter, die mit Presslufthaemmern den Boden bearbeiten. Der alte Mann spielt sein Saxophon. Ein Mariachi der aussieht wie Danny Trejo ohne Schnauzbart, die Gitarre laessig ueber die Schulter, kommt vorbei und grinst abfaellig. Den alten Mann interessiert es nicht. Er sieht traurig aus, spielt ein trauriges Lied, einen Jazz-Standard ... und er spielt total falsch.
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