Montag, 24. Oktober 2011

Wo sind die Delfine hin?

Das Boot ist weiss, aus Plaste und fasst 10 Personen und zwei Mann Besatzung. Am Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, geht es los. Gemeinsam mit einem australischen Paerchen und einer mexikanischen Familie fahre ich raus auf das Meer, um Meerresschildkroeten und Delfine zu beobachten. Das Wetter ist klar, der Wind ablandig, der Morgen ist kuehl und die See recht aufgewuehlt. Langsam verkleinert sich die Kueste und man erkennt, dass hinter Puerto Escondido gleich das Gebirge beginnt. Aber das liegt hinter uns - vor uns liegt der pazifische Ozean und die Suche nach dem Meeresgetier beginnt. Wir springen full speed ueber die Wellen. Ploetzlich haelt das Boot, einer von der Besatzung bruellt: "Tortuga!" Eine Meeresschildkroete duempelt vor uns im Wasser und streckt neugierig ihren gelblichen Kopf heraus. Der braune Panzer ist gut zu erkennen - und er hat mindestens einen Meter im Durchmesser. Ich bin beeindruckt, bisher hatte ich eine Meeresschildkroete nur ausgestopft im Meeresmuseum in Stralsund gesehen. In Natur ist das etwas voellig anderes.
Und weiter gehts, wir kreuzen vor der Kueste. Immer mal wieder halten wir, weil sich eine Schildkroete zeigt. Die meisten verschwinden aber gleich wieder in den Tiefen des Ozeans ... bis auf ein Paar, das keine Lust zum Tauchen hat weil es intensiv mit der Arterhaltung beschaeftigt ist. Der Strand, der sich in einigen Kilometern Entfernung als schmaler gelber Streifen abzeichnet, ist das wichtigste Brutgebiet fuer Meeresschildkroeten. Da sie streng geschuetzt sind, hat sich die Population erholt. Und wirklich, auf unserer Tour bekommen wir noch einige Exemplare zu Gesicht.
Was wir nicht zu Gesicht bekommen, sind Delfine. Nirgendwo taucht eine einsame Rueckenflosse aus den Fluten. Einer der Besatzung sitzt auf dem Sonnendach und haelt Ausschau, der andere telefoniert mit seinem Handy mit anderen Bootsbesatzungen. Gedult sollen wir haben. Nach etwa zwei Stunden wilder Fahrt sind wir klitschnass, meine Brille ist von Salz verkrustet, so dass ich kaum noch was erkenne. Es brennt in den Augen und so ganz langsam verliere ich die Gedult und wuensche mir, ich koennte endlich an einem Strandcafé beim Fruehstueck sitzen. Schliesslich sagt einer der Besatzung, tut uns leid, wir muessen jetzt zur Kueste zurueck. Leider gibt es heute keine Delfine. Dann soll es halt so sein. Mittlerweile ist es schon fast Mittag. Langsam naehert sich die Kueste, die ein bisschen wie die Insel in der Fernsehserie LOST aussieht. Der Titel dieser Folge wuerde wahrscheinlich "Dolphins Lost" heissen.
Dann ploetzlich haelt das Boot, die Besatzung johlt und bruellt "Dolphins!" Und da sind sie. Ueber all rund um das Boot sind ploetzlich die Rueckenflossen und die dunkelgrauen Koerper der Delfine zu sehen. Sie umrunden uns, schwimmen mit uns, springen teilweise aus dem Wasser. Es ist echt ein toller Anblick. Wir sind mitten in einer grossen Gruppe von Delfinen gelandet. Nach ausgiebig Zeit zum Fotografieren (was nicht so einfach ist, denn kaum hat man scharf gestellt, sind sie schon wieder unter Wasser verschwunden) brettern wir wieder zur Kueste. Einige Delfine folgen uns, sind auf ein Rennen aus, aber wir sind schneller.
Zurueck am Strand, im Café, beim Fruehstueck gehen mir die Bilder der Delfine nicht aus dem Kopf ... und ich kann nur denken: "Whow!"
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Nach einem faulen Tag am Strand werde ich heute Abend mit dem ersten Nachtbus nach San Cristóbal de las Casas im Bundesstaat Chiapas fahren. Das naechste Meer, das ich sehe, wird dann in der naechsten Woche der atlantische Ozean sein.

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